Lexikon
Scrapie (Traberkrankheit; Gnubberkrankheit; tremblante de mouton)
Scrapie, die TSE der Schafe und seltener der Ziegen, ist die am längsten bekannte Prionenkrankheit und gilt als Prototyp für diese Art von Erkrankungen.
Die Scrapie des Schafes ist in Europa seit über 200 Jahren bekannt. Sie ist über die ganze Welt verbreitet. In Australien und Neuseeland konnte sie mit radikalen Massnahmen ausgerottet werden. Scrapie ist eine fortschreitende, degenerative, tödliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Erste Symptome sind Verhaltensänderungen. Die Schafe werden schnell nervös, reagieren überempfindlich auf Lärm und Berührungen und sind entweder aggressiv oder träge. Die Hauptsymptome zeigen sich in einem extrem starken Juckreiz, den die Schafe durch kontinuierliches Kratzen, Scheuern, Belecken und Benagen loszuwerden versuchen. Dies hat den Verlust des Wollkleides zur Folge. Beim Kratzen ist ein eigenartiges Lippenspiel zu beobachten (Gnubbern). Ausserdem nehmen sie trotz genügender Nahrungsaufnahme immer mehr ab. Dazu kommt es zu Bewegungsstörungen. Die Schafe bekommen einen traberartigen Gang, gleichzeitig werden der Kopf hoch und die Ohren abnormal getragen. Sie beginnen zu stolpern und brechen ein. Blindheit, Erbrechen, Muskelzittern und Schluckstörungen können als weitere Symptome auftreten. Die Krankheit verläuft progressiv und endet mit dem Tod.
Die Übertragung von Scrapie geschieht sowohl von der Mutter auf das Jungtier, vertikal, als auch von Tier zu Tier, horizontal. Bei der vertikalen Variante kommen zwei Wege in Frage: Zum einen kann das Lamm durch die Nachgeburtsteile und das Fruchtwasser angesteckt werden, zum anderen wurde die Möglichkeit der Infektion via Milch diskutiert, jedoch nicht gesichert nachgewiesen.
Bei der horizontalen Variante werden die anderen Tiere durch das Fressen der hochinfektiösen Plazenta selbst oder durch das Fressen von Futter, das mit infektiösem Fruchtwasser kontaminiert wurde, angesteckt. Da der Scrapieerreger gegen mechanische und chemische Einflüsse weitgehend resistent ist, kann ein Weidegebiet über eine längere Zeitspanne verseucht bleiben.



